Beim ersten Blick aus dem Zelt kam heute Morgen zufällig gerade das Schiff der Hurtigruten vorbeigefahren. Da hatte ich überhaupt keine Lust aufzustehen. Als ich mich gegen 8 Uhr dann endlich aufraffen konnte, hieß es: Zum letzten Mal morgens die Sachen zusammenpacken und die letzten 70 km in Angriff nehmen.
Die hatten es dann noch einmal in sich. Östlich von Vadsø änderte sich schlagartig die Landschaft. Keine Bäume mehr, sondern nur noch Tundravegetation mit vereinzelten kargen Büschen.
Zudem hatte der Wind über Nacht auf Nord gedreht, sodass ich auf der ganzen Etappe Seitenwind oder Wind direkt von vorne hatte. Und das bei 6 °C. Ohne größere Pause ging es deshalb direkt durch bis Vardø. Die Hände und Füße waren zwischendurch eisig kalt.
Goldener Abschluss dieser Etappe und der ganzen Tour war die Triumphfahrt durch den ersten Unterwasser-Straßentunnel Norwegens zum Ziel in Vardø. Die tiefste Stelle liegt 88 m unter dem Meeresspiegel. Bei einer Länge von 2,9 km geht es da ordentlich runter und wieder hoch.
Das große Ziel ist nach dreieinhalb Wochen nun erreicht, aber fertig ist die Tour noch nicht.
Da das Wetter, wie soll es auch anders sein, in den nächsten zwei Tagen sonnig werden soll, mache ich noch einen Abstecher nach Hamningberg. Das liegt ca. 35 km nördlich von Vardø, und wirklich jeder, mit dem ich ins Gespräch komme, schwärmt von diesem Ort.
Bei der Vorbereitung dieser Tour hatte ich immer gehofft, dass ich auf der Küstenstraße entlang des Varangerfjords nicht die ganze Zeit im Regen fahren muss und zumindest ab und an einen Blick aufs Meer erhaschen kann. Für mich war dieser Abschnitt immer der eigentliche Höhepunkt dieser Radreise.
Und dann das: Wieder einmal Sonnenschein und dazu noch kräftiger Rückenwind. Zum Glück Rückenwind, denn der kam aus Nordwest und war extrem kalt. Bei jeder kurzen Pause wurde es in kürzester Zeit extrem frisch.
Und dann noch direkt am Polarmeer zelten, ein Träumchen. Besonders mit einem kuscheligen, warmen Schlafsack!
Den gestrigen Weg ging es heute mit leichtem Rückenwind wieder zurück nach Süden.
Was mich überrascht, ist die immer noch hohe Dichte an Bauernhöfen, die nördlich des 70. Breitengrades Vieh- und Landwirtschaft betreiben. Ob das Getreide auf den Feldern noch vollkommen ausreift? Wir haben immerhin schon den 25. August, und hier herrschen Temperaturen um 10 °C.
Zudem wird einem selbst im äußersten Norden Europas vor Augen geführt, welch schreckliches Leid wir Deutschen im 2. Weltkrieg auf der ganzen Welt verbreitet haben!
Wie so oft im Leben führt nicht der direkte Weg zum Ziel, sondern die Umwege bringen die interessanten Erlebnisse. Deshalb habe ich den Entschluss gefasst, den Premiumradweg entlang des Teno (norwegisch: Tana) weiter bis zur Mündung (größtes unberührte Flussdelta Norwegens) in den Tanafjord zu fahren. Und ich wurde, wie so oft auf dieser Tour, belohnt.
Lappland bzw. die Finnmark ist deutlich hügeliger, als ich es erwartet habe, sodass der Teno in ein breites Tal eingebettet ist.
Absolut unschlagbar ist jedoch mein heutiger Schlafplatz, die Perletur-Hytta. Besser kann der Ausblick in einem 5-Sterne-Hotel auch nicht sein! Grandios, welch architektonische Schmuckkästchen die Norweger als Schutzhütten in die Landschaft stellen.
Näkemiin Suomi, hei Norge.
Heute habe ich nach exakt drei Wochen das liebgewonnene Finnland in Richtung Norwegen verlassen. Der Grenzübergang war am nördlichsten Punkt Finnlands und dementsprechend auch am nördlichsten Punkt der EU.
Aber wieder einmal wird mir bewusst, dass Grenzen nur etwas für den Kopf sind!
Die ganze Etappe verlief entlang des lachsreichsten Flusses Europas, dem Teno. Es wundert mich total, dass ich davon noch in keinem Flussradwege-Führer etwas gelesen habe. Kaum Steigungen, absolut kein Verkehr und grandiose, unberührte Natur. Aus meiner Sicht ein absoluter Premiumradweg.
Gibt es eigentlich irgendjemanden, der das hier liest und der den ganzen Bums, den ich hier täglich schreibe, eigentlich glaubt? 16 Tage auf dem Rad quer durch Finnland und 14 Tage davon mit Sonnenschein!?
Mittags sich ein paar Rentierbilder aus dem Internet ziehen, sich selbst mit Photoshop zwischen Weihnachtsmann und Schneemann einfügen und jeden Abend ein paar willkürliche sonnige Landschaftsbilder in den Blog hochladen. Ich bitte euch: Nichts einfacher als das.
Ach, wie schön ist Rimini! ;-)
Ein Verbrennerauto fährt mit Benzin,
ein Elektroauto fährt mit Strom,
und ein Schönwetterradler, exakt, mit SONNE.
Heute Vormittag habe ich noch den letzten Schauer abgewartet und bin dann erst gegen 10:30 Uhr in Ivalo losgefahren. Dauerhaft mit kurzer Hose, was bei 12 °C deutlich angenehmer war als die lange Hose der letzten Tage.
Nach der Mittagspause in Inari habe ich mir mal wieder ein bisschen Landeskultur gegönnt und war im Sami-Museum Siida, seines Zeichens „European Museum of the Year 2024“! Wer mal in der Gegend sein sollte: Es lohnt sich.
Bei leichter Bewölkung und Sonnenschein habe ich heute Nachmittag die letzten beiden Abzweige, nach Kirkenes bzw. zum Norkap passiert. Ab jetzt geht's wirklich in die Einöde.
Die heutige Unterkunft, meine schnuckelige rote Holzhütte, liegt grandios direkt am See!
Heute war der offizielle „Einerseits-andererseits-Tag“.
Einerseits war ich heute Morgen extrem froh, dass ich mittlerweile schon so weit nördlich bin, dass die Tiefdruckgebiete mit dem Regen südlich vorbeiziehen. Wenn das Zentrum eines Tiefs allerdings in Südfinnland liegt, bedeutet das andererseits, dass bei mir der Wind schön aus Nordost kommt.
Da ich heute durch das finnische Fjell (karges Hochland nahe der Baumgrenze) gefahren bin, war der Wind echt garstig. Einerseits habe ich durch das äußerst wellige Profil ordentlich geschwitzt, andererseits durch den kalten Fahrtwind aber auch gefroren. Das habe ich so noch nie erlebt.
Seit gestern begleiten mich in regelmäßigen Abständen Rentiere, die ganz ohne Scheu am Straßenrand grasen.
Und mein kulinarischer Begleiter, neben dem Fisch, ist und bleibt die Blaubeere, die wirklich überall wächst.
Die nächsten drei Tage mache ich jetzt erst mal Pause am Inarisee.
Heute Morgen bin ich bei Nebel kurz nach den drei Radrennfreunden aus Südtirol aus der Unterkunft aufgebrochen. Mal schauen, wie lange das Wetter hält. Ich hatte entlang der Strecke mehrere Ausstiegsmöglichkeiten vorgeplant. Nach 30 km hat mich dann der erste Regenguss erwischt. Zum Glück konnte ich mich unter dem Vordach einer Scheune unterstellen.
Insgesamt war es heute mit 60 km eine sehr entspannte Etappe. So bleibt mir aktuell die Zeit, die arktische Landschaft am Kitinen zu genießen. Die unbegradigten Flüsse mit ihren unbefestigten Ufern sind genau das, was mich schon in Alaska so begeistert hat.
Mit der heutigen Bilderauswahl möchte ich auf einen Leserwunsch von „DAVMedi78“ eingehen, die sich mehr Selfies wünscht.
Auf einmal bin ich mitten drin im „NorthCape4000“ Ein 4.000 km langes, unsupported Bikepacking-Abenteuer durch Europa, bei dem die Fahrer ohne externe Unterstützung von Norditalien bis zum Nordkap radeln.
Hier der Link zur Live-Karte mit der Position der einzelnen Teilnehmer: https://www.whip.live/event-tracking/NC4R26?utm_source=chatgpt.com
Ich gehe die Sache allerdings deutlich entspannter an. Nach dem Überqueren des Polarkreises kam ich zum ersten Mal auf der Tour in leichten Nieselregen.
Mittlerweile bin ich in Lappland angekommen und habe die Ostsee verlassen. Ich kann es selbst kaum fassen, wie perfekt bisher alles läuft. Wetter, Landschaft, Fahrrad und Kondition, TOP! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was bei mir im Kopf abgeht. Ich fühle mich zeitweise wie im Traum.
Auf der heutigen Etappe ging es dauerhaft direkt entlang des Kemijoki (joki = Fluss) nach Norden. Zur Landschaft brauche ich nicht viel zu sagen, die Bilder sprechen für sich!
Ab und an bin ich schon mal Abschnitte auf der Bundesstraße E4 gefahren, die mich dann auch die nächsten 500 km bis ans Polarmeer führt. Der Verkehr ist absolut okay, und ab Rovaniemi gehe ich davon aus, dass es noch weniger wird.
Was ich fast vergessen hätte: Auf dem letzten Bild ist eine öffentliche Teppichwaschanlage zu sehen, die ich kurz vor Rovaniemi entdeckt habe. Zwei Damen waren gerade fleißig an der Arbeit, als ich vorbeikam. In den Bottichen wird der Teppich ordentlich eingeweicht und gespült. Anschließend wird das Wasser in der Mangel wieder herausgepresst. Und dann ab zum Trocknen.
Es gibt wirklich nichts, was es nicht gibt. Vielleicht sollte man den Finnen mal den Tipp geben, die Schuhe draußen auszuziehen.
Ursprünglich habe ich mit dem Gedanken gespielt, die Strecke von Oulu nach Kemi mit dem Zug zurückzulegen. Ein Finne hat mir auf der Fähre nach Helsinki erzählt, dass auf dieser Etappe der Radweg oft auf der viel befahrenen Bundesstraße verläuft. Zum Glück habe ich den Rat nicht befolgt, denn die letzte Etappe entlang der Ostsee war wieder grandios. Lediglich 8 km musste ich auf der Bundesstraße fahren, dafür umso mehr auf unbefestigten Waldwegen.
Für alle Schleckermäuler in der Leserschaft habe ich es heute Abend endlich mal geschafft, die offene Candy-Auslage im Supermarkt zu fotografieren. Aber Achtung, das Bild zeigt nur einen Ausschnitt; die tatsächliche Regallänge ist etwa dreimal so lang.
Die diesjährige Europäische Kulturhauptstadt Oulu hat das Motto des heutigen Stadtspaziergangs mal selbst vorgegeben: „Kultur“.
Architektonisch hat Oulu jetzt nicht allzu viel zu bieten. Ich hoffe, ihr habt beim Betrachten der Bilder jedoch den gleichen Spaß wie ich beim Fotografieren.
Das Wetter war heute zum ersten Mal richtig ungemütlich: bedeckt und 11 °C, aber trocken. Dafür ein echt frischer Nordwestwind. Ich war mehrmals froh, heute nicht auf dem Fahrrad zu sitzen.
Nach der gestrigen Bundesstraßenfahrt ging es heute endlich wieder in die Wildnis. So ganz alleine durch die einsamen Wälder und über Felder zu fahren, macht mich total glücklich. Da fühle ich mich absolut zu Hause.
Apropos Glück & Zufriedenheit: Was mir seit der ersten Etappe auffällt, ist der doch eher grimmige Gesichtsausdruck der gelegentlich entgegenkommenden Ortsansässigen.
Dabei sind die Finnen doch bei der Umfrage zu den glücklichsten Menschen seit Jahr und Tag auf dem Spitzenplatz. Aber vielleicht ist der Gesichtsausdruck eines Menschen auch kein Indikator für sein inneres Wohlbefinden.
Vielleicht definieren die Finnen Zufriedenheit aber auch nur anders als wir Deutschen und erfreuen sich genau so wie ich an kostenlosen und sauberen Kundentoiletten in noch so jedem kleinen Supermarkt. Oder an einer überragenden Fahrradwege-Infrastruktur in jeder Stadt.
Vielleicht finde ich es auf meiner weiteren Reise noch heraus?
Die heutige Etappe verlief fast ausschließlich auf der Bundesstraße 8 bzw. auf dem direkt angrenzenden Radweg. Das war alles weniger spektakulär.
Deshalb möchte ich mich den ersten Leserfragen widmen. Der Benutzer „Oraaaage-Georgie“ interessiert sich für die finnische Flora. Der Wald besteht ausschließlich aus Kiefern und Birken, wobei die Baumhöhe im Vergleich zum Süden schon deutlich niedriger ist.
Falls auch ihr Fragen habt, einfach eine kurze Nachricht per Signal oder Threema. Wenn ihr mich unterstützen wollt, dann lasst einen Like da und drückt die Glocke. So verpasst ihr den nächsten Beitrag nicht.
...and the winner in the category „Best Supermarket of the Year“ goes to: „Sale in Oravais“!
Anstatt zwei Käsebrötchen in irgendeiner zugigen Ecke auf dem Supermarktparkplatz zu essen (der Wind ist nach wie vor sehr frisch), hatte der besagte Supermarkt ein Lunch-Buffet. Da habe ich nicht lange überlegt, ob ich den Lachs in Senfsauce mit Kartoffelbrei essen soll. Bingo!
Und zur Feier des Tages habe ich mir nach sechs Nächten im Zelt während der Mittagspause noch eine „Mökki“ auf dem Zeltplatz in Jakobstad rausgelassen.
Die heutige Etappe war landschaftlich die schönste der bisherigen Tour. Küste, Wald und weite Getreidefelder in schöner Abwechslung.
Das Schwimmbad in Nykarleby würde bei jeder Landesgartenschau Preise für gelungene Landschaftsarchitektur abräumen.
Momentan bin ich ca. 2,5 Tage vor meiner kalkulierten Marschtabelle. Das ist unglaublich beruhigend für den Kopf. Ich hoffe, es geht so weiter.
Alles richtig gemacht. Manoman war ich bei dem heutigen Gegenwind froh um jeden Kilometer, den ich gestern schon gefahren bin. Es stürmt hier ohne Ende. Laut Prognose soll der Wind ab Sonntag wieder auf Süden drehen. Die 17°C und der Sonne-Wolken Mix sind total angenehm zum radeln.
Was mir schon länger aufgefallen ist, hier gibt es ganz wenige Fußballplätze, dafür Discgolf Anlagen an fast jeder Ecke. Das sportliche Highlight war heute jedoch die DIY Freiluft Eishockey-Arena.
Nach dem Abendessen habe ich mir noch Vaasa angeschaut. Hat mich jetzt nicht so vom Hocker gerissen, das finnische Knäckebrot. Es war eher befremdlich, wieder von so vielen Leuten umgeben zu sein. Alleine durch die Natur zu radeln überzeugt mich momentan mehr. Bin aber gespannt, wie das dann oben in Lappland wird.
Nach Regen kommt immer wieder Sonnenschein, und vor allem RÜCKENWIND! Aber Hallelujah. Den musste ich gleich ausnutzen und hab lockere 145km auf den Asphalt gebrannt. Während der Mittagspause im Supermarkt-Cafe in Sideby hab ich mir kurz überlegt, ob ich mir noch ein Paar warme Socken gönnen soll. Der Respekt vor dem Wetter beschäftigt mich einfach dauerhaft. Ich bin echt gespannt, was mich in Lappland erwartet.
Zum Nachmittagscafe gabs dann Puddinggebäck in Kristinestad.
Frisch gestärkt, bin ich spontan noch die 25km bis Kaskinen geradelt, den Rückenwind ausnutzen. Von der Architektur (viele bunte Holzhäuser) ist der Ort sehr ähnlich wie Kristinestad, aber ein enormer Leerstand mit morbidem Charme. Der Zeltplatz ist dafür top, mit eigenem Badestrand!
Ja leckts mich doch am Hintern. Wer fährt denn schon bei 5°C und Nieselregen durch Finnland, wenn man sich auch die Sonne an der französischen Atlantikküste auf die Wampe scheinen lassen kann.
Preisfrage zu Beginn: Finde den Fahrradweg im Dickicht! Ich hoffe das war dann der Komoot-Gag für diese Tour.
Die ersten 35km gings äußerst wellig über Waldwege. Und gegen Mittag kam der übliche Wind von schräg vorne. Welcher Dödel fährt denn auch freiwillig Richtung Westen. Kurz vor dem Ziel in Virttaa dann noch im weltbesten Supermarkt mit dem Nötigsten versorgt. Der Zeltplatz, der auf sämtlichen Navigations-Apps eingetragen ist, scheint ein Jugendcamp zu sein. War auf alle Fälle schon alles zu, aber in der Nähe gabs ein nettes Laavu, was viel romantischer war. Zum Glück war ich 10km vor dem Ziel noch ne Runde baden, so dass ich die Dusche nicht all zu sehr vermisst habe.
Irgendwie komisch, die Anspannung, die mich gestern umgetrieben hat, war heute auf dem Rad komplett weg. Wenn die Reise so weiter geht, dann wirds überragend. Sonnenschein auf den ganzen 108 km. Die Landschaft hat mich sehr an den Kraichgau erinnert. Sehr welliges Profil, so dass ich mit lockeren 980 Höhenmetern gestartet bin. Highlight war das Siedler Spiel mit Bauer Konkamäkki. Ich hatte die grünen Steinchen.;-)
Per SBB-Eurocity bin ich entspannt und pünktlich nach Hamburg gezugelt, Zwischenhalt in Lübeck zum Sightseeing eingelegt und dann am Fähranleger die Füße in den Bauch gestanden. Beim Anblick der vollgepackten Wohnwagen kamen die ersten Zweifel, ob die eingepackten Klamotten ausreichend und warm genug sind. Schaun wir mal.
Um 23 Uhr war dann einschiffen angesagt und um 0:45 Uhr war endlich meine Kabine bezugsfertig. Gute Nacht!